Pennsylvania im Jahre 1744 - zwischen der Regierung von Virginia und den Häuptlingen
der Six Nations wird die Aufnahme eines Schüleraustauschprogramms
verhandelt. Wie Benjamin Franklin in seinen Remarks Concerning the Savages
of North America (1783) berichtet, klingt das Angebot verlockend, verspricht
doch die Regierungskommission, dass in Williamsburg ein College mit einem Fund
for Educating Indian Youth eingerichtet sei und dass, falls die Häuptlinge
der Six Nations ein halbes Dutzend ihrer Söhne dahin schicken würden,
die Regierung die Sorge für sie übernähme und sie in all
the Learning of the white People instruieren würde. (Quelle:
Benjamin Franklin, „Remarks Concerning the Savages of North-America“,
S. 174. Die Zitate sind den Faksimile Ausgaben der englischen und französischen
Vorlage entnommen, wobei die Groß- bzw. Kleinschreibung des Originals
beibehalten wurde.)
Indianischen Gepflogenheiten entsprechend, so Franklin, ziehen sich die Häuptlinge
zur Beratung zurück und finden sich erst am nächsten Tag wieder zu
einer Antwort ein. Ihr Sprecher betont, die guten Absichten zu erkennen, die
Bedeutung einer solchen Erziehung mit den verbundenen Kosten zu würdigen,
und doch gibt er zu bedenken:
But you who are wise must know, that different Nations have different Conceptions of things; and you will therefore not take it amiss, if our Ideas of this Kind of Education happen not to be the same with yours. (Quelle: Ebenda, S. 174.)
Frühere Erfahrungen zeigten, dass die jungen Männer nach der Rückkehr zu ihren Stämmen schlechte Läufer waren, weder Kälte noch Hunger ertragen, kein Reh erlegen oder einen Feind töten konnten, die Sprache nicht mehr perfekt beherrschten, kurzum, sie waren totally good for nothing. So würden die Häuptlinge der Six Nations zwar ablehnen, doch ihrerseits der Regierung von Virginia ebenfalls ein Angebot unterbreiten wollen, das sogar für ein ganzes Dutzend junger Männer gelte und das Versprechen enthalte:
We will take great Care of their Education, instruct them in all we know, and make Men of them. (Quelle: Ebenda, S. 175. Hervorhebung im Original.)
Pennsylvania im Jahre 1983 - knapp 240 ereignisreiche Jahre später -vereinbaren
die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland
unweit von Lancaster ein deutsch-amerikanisches Jugendaustauschprogramm, das
jungen Männern und Frauen ein Jahr lang das Leben in der jeweils anderen
Kultur ermöglicht: das Congress-Bundestag Youth Exchange Program (CBYX)
/ Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP). Anlässlich des 300.
Jahrestages der deutschen Einwanderung nach Nordamerika, als erstmals dreizehn
Krefelder Familien mennonitischen Glaubens im Hafen von Philadelphia landeten
und die Siedlung Germantown gründeten, reiste der damalige Bundestagspräsident
Karl Carstens nach Philadelphia, um dort mit US-Präsident Ronald Reagan
der Öffentlichkeit ein gemeinsam vom Kongress der Vereinigten Staaten und
dem Deutschen Bundestag beschlossenes Austauschprogramm vorzustellen, as
a concrete demonstration of our commitment of the enduring United States-German
relationship (Quelle: The Senate of the United States,
S.J. RES 260 // Bessere Beziehungen über den ,großen Teich’.
Sonderaustauschprogramm des US-Senats Berliner Morgenpost vom 31. Oktober 1982.
Vgl. auch Informationsfaltblatt Parlamentarisches Patenschaftsprogramm (PPP)
2005-2006.)
Das 20-jährige Jubiläum des CBYX/PPP(Fußnote:
Im Folgenden werden mit Rücksicht auf die Lesbarkeit des Textes diese Abkürzungen
verwendet.) 2004 bietet nun wiederum Anlass, Ziele, Status Quo und
Zukunftsperspektiven dieser Form des Schüleraustausches zwischen den Regierungen
der USA und Deutschlands als Beispiel für eine konkrete Begegnung mit dem
Fremden im Kontext der Fragestellung dieses Bandes Des Fremden Freund, Des Fremden
Feind zu überdenken.
Seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 und der Entstehung
des Deutschen Reiches 1871 blicken beide Länder auf eine wechselvolle Vergangenheit
zurück, die sie als Feinde trennte und als Freunde miteinander verband.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges wurde Anfang der 1980er Jahre mit dem
CBYX/PPP ein Jugendaustauschprogramm mit hohen politischen, gesellschaftlichen
und auch bildungspolitischen Zielen ins Leben gerufen, das als fester Bestandteil
und Kernstück deutsch-amerikanischer Beziehungen gesehen wird.(Quelle:
7 Für eine umfassende Diskussion deutsch-amerikanischer Beziehungen siehe
Frank Trommler und Elliott Shore, The German-American Encounter: Conflict and
Cooperation between Two Cultures 1800-2000. Die Herausforderungen der politischen
Zusammenarbeit sind zwanzig Jahre später nicht unproblematischer geworden,
wie nur ein kurzer Blick auf die Dokumentation in deutschen Zeitungen zeigt,
so bspw. der Bericht in der SZ Bundespräsident
Karl Carstens in den USA. Der sanfte Zwang zum Treueschwur vom 879. Oktober
1983 und Die ZEIT Onkel Bush will dich! vom 17. Februar 2005.)
In den zwanzig Jahren seines Bestehens haben mehr als 15.000 amerikanische
und deutsche junge Leute an dem politisch initiierten und finanzierten Programm
teilgenommen. Abgeordnete beider Regierungen übernehmen für die einzelnen
Stipendiaten Patenschaften und der Kontakt zu den Abgeordneten sowie der Besuch
der Regierungssitze in Washington D.C. bzw. Berlin am Ende des Austauschjahres
zählen zu den festen Programmbestandteilen. Jährlich werden von den
jeweiligen Regierungen etwa 400 Vollstipendien sowohl an Schüler als auch
an junge Berufstätige vergeben.(Fußnote: Die
endgültige Zahl richtet sich nach den Kapazitäten der Organisationen
gemäß ihren Angeboten sowie den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln
des Deutschen Bundestages und des amerikanischen Kongresses. (Schriftwechsel
Deutscher Bundestag Verwaltung PB4 - Internationale Austauschprogramme).
Da für die deutlich kleinere Teilnehmergruppe der Berufstätigen, die
etwa 20 Prozent der Stipendiaten ausmacht, anlässlich des 15-jährigen
Bestehens des CBYX/PPP auf Vorschlag der Carl Duisberg Gesellschaft hin eine
der wenigen wissenschaftlichen Studien über das Programm erstellt wurde,
wird im Folgenden die Teilnehmergruppe der Schüler in den Vordergrund der
Überlegungen gestellt. (Quelle: Vgl. Theo Fuß,
Gerd Busse und Georg Langenhoff ,GeIernt, an sich
zu glauben’. Langzeiteffekte des Parlamentarischen Patenschafts-Programms
für junge Berufstätige, S. 64. Gerhard Busse, Georg Langenhoff
und zudem K. Engelhardt sind die Autoren der genannten Studie, mit der die Sozialforschungsstelle
Dortmund, ein Landesinstitut von Nordrhein-Westfalen, beauftragt wurde. Die
bereits 1986 erschienene Arbeit von Klaus Allerbeck, Deutsch-amerikanischer
Jugendaustausch: Entwicklung, Ergebnisse, Umfeld, die sich vor allem auf das
PPP konzentriert, wurde in dieser Form nicht fortgeführt.)
Als Vollstipendium nimmt das CBYX/PPP unter den Langzeitprogrammen zwischen
den USA und Deutschland einen äußerst attraktiven Spitzenplatz ein.(Fußnote:
Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten für ein Austauschjahr in den USA
auf ca. 6500 Euro, darin enthalten sind Vorbereitung, Reisekosten, Schulgebühren,
Unterbringung sowie Verpflegung bei einer Gastfamilie, www.schueleraustausch.de/sa/aktuelles/2004.)
Den Wunsch, die eigene Kultur hinter sich zu lassen und gegen eine fremde
Kultur einzutauschen, haben viele junge Menschen und müssen sich zunächst
im Dschungel der 1001 Möglichkeiten, an Schüleraustauschprogrammen
weltweit teilzunehmen, zurechtfinden. (Fußnote: Als hilfreiche
Führer durch diesen Dschungel in Bezug auf einen Aufenthalt in die USA
gelten Max Rauner, Als Gastschüler in den USA, sowie Christian Gundlach
und Sylvia Schill, Ein Schuljahr in den USA)
Auffallend ist dabei das kaum zu erschütternde Interesse für die USA:
Von den rund 12.000 deutschen Schülern, die 2003 ihren Traum von einem
Jahr in der Fremde verwirklichten, entschieden sich 10.152 für die Vereinigten
Staaten.(Quelle: Julia Bonstein, „Rezepte gegen Fernweh“,
S. 72.)
Die Plakate, Prospekte und heute auch Internetseiten, die für das CBYX/PPP
werben, zeigen auf den ersten Blick eine bunte Vielfalt amerikanischer und deutscher
Landschaften und Städte, die den Traum von einem Jahr im mythenreichen
Amerika oder in good, old Germany in greifbare Nähe zu rücken
scheinen. Welche Voraussetzungen und Erwartungen an die Bewerber gestellt werden,
zeigt ein zweiter Blick auf die jährlichen Ausschreibungstexte.
Auf amerikanischer wie auf deutscher Seite beziehen sich die formalen Kriterien
für eine Bewerbung um ein CBYX/PPP Stipendium laut der jeweiligen Ausschreibungstexte
für das kommende Schuljahr 2005—2006 vor allem auf die Staatszugehörigkeit,
das Alter und die Schulleistungen der Teilnehmer. Wenn Jugendliche gute bis
sehr gute Schulleistungen nachweisen können und zwischen 15 und 18 Jahre
alt sind, können sie sich relativ unkompliziert bewerben. Den jeweiligen
Schulsystemen entsprechend werden bei Bewerbern aus den USA keine deutschen
Sprachkenntnisse, bei Bewerbern aus Deutschland jedoch gute englische Sprachkenntnisse
vorausgesetzt.(Quelle: Vgl. Informationsfaltblatt PPP
2005-2006 bzw. Internetausschreibung CBYX 2005-2006 (im Folgenden
werden diese Kurztitel verwendet). Ausgeschlossen sind auf deutscher Seite explizit
Kinder und Pflegekinder von Bundestagsabgeordneten, Jugendliche mit US-Staatsangehörigkeit
und Green Card Inhaber. Junge Berufstätige sollten auf amerikanischer Seite
zwischen 18 und 24 Jahre alt sein, auf deutscher Seite zwischen 16 und 22 Jahre,
wobei für deutsche Bewerber eine abgeschlossene Berufsausbildung vorgeschrieben
ist.)
Je nach Wohnsitz in den USA übernehmen die amerikanischen Austauschorganisationen
AIFSF, AFS-USA, ASSE International, Council on International Educational
Exchange und AYUSA International die weitere Bearbeitung der Bewerbungen
und Auswahl der Stipendiaten.(Fußnote: Young Professionals
wenden sich an CDS International; vocational high school students an Nacel Open
Door, Inc. Siehe http://www.usagermanyscholarship.org.)
In Deutschland entscheidet die Zugehörigkeit zum jeweiligen Bundestagswahlkreis,
in dem die Bewerber bis zu einem Stichtag gemeldet sind, über die Aufteilung
der Schüler an die zuständigen Austauschorganisationen AFS Interkulturelle
Begegnungen e.V., YFU - Deutsches Youth for Understanding Komitee e.V., EXPERIMENT
e.V., GIVE - Gemeinnütziger Verein für Internationale Verständigung
e.V. und Partnership International e.V.(Fußnote: Junge
Berufstätige wenden sich an InWEnt-Internationale Weiterbildung und Entwicklung
gGmbH, eine Fusion der Carl Duisberg Gesellschaft e.V. und der Deutschen Stiftung
für Internationale Entwicklung. Siehe Informationsblatt PPP
2005-2006.)
Jede Austauschorganisation führt ihr eigenes Auswahlverfahren durch, das
sich am gesamten Persönlichkeitsbild, der Motivation und der Eignung der
Bewerber für einen einjährigen Aufenthalt orientiert. In Deutschland
und den USA wird den am Programm beteiligten Politikern eine Liste mit den nach
Einschätzung der Austauschorganisation am besten geeigneten Bewerbern vorgelegt,
die endgültige Nominierung obliegt dem jeweiligen Politiker.(Fußnote:
16 Die Nominierung steht zudem unter dem Vorbehalt ärztlich festgestellter
gesundheitlicher Eignung und unter dem Vorbehalt, dass zum Zeitpunkt der Ausreise
die Teilnahme-voraussetzungen tatsächlich erfüllt werden. Siehe Informationsblatt
PPP 2005-2006.)
Obgleich die Bilder der Ausschreibungen für das CBYX/PPP Jahr für
Jahr eine Vielfalt amerikanischer und deutscher Impressionen zeigen, unterscheiden
sich die jeweiligen Texte kaum von denen vorhergehender Jahrgänge. Bereits
die Anfangszitate beider Texte verweisen deutlich auf die politischen Ziele
und die Bedeutung dieser speziellen Form des Jugendaustausches im Hinblick auf
die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Auf amerikanischer Seite stehen dabei
nach wie vor die Bemühungen um Freundschaft und Verständnis zwischen
den Völkern an erster Stelle, wie Richard Lugar, der seit 1977 als U.S.
Senator maßgeblich am Aufbau des Programms beteiligt war sowie heute den
Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats innehat, deutlich macht:
The Congress-Bundestag Youth Exchange program is one of the essential elements
of the US-Germany bond by strengthening the deep ties of friendship and understanding
between our two peoples. For the young people who participate, it offers an
extraordinary opportunity to learn about the world, gain a deeper understanding
of people and issues, build lifelong skills and expand their horizons.
(Quelle: US Senator Richard Lugar. http://www.usagermanyscholarship.org.)
Auf deutscher Seite wirken die Worte des Präsidenten des Deutschen Bundestages,
Wolfgang Thierse, um die der Ausschreibungstext seit seiner Amtszeit ergänzt
wurde, wesentlich sachlicher und vermeiden fast eine Wertung des Verhältnisses
der Länder zueinander:
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden im direkten Kontakt von Menschen lebendig. Den ermöglicht das Parlamentarische Patenschafts-Programm in besonders intensiver Weise. Die jugendlichen Teilnehmer lernen — ebenso wie die Parlamentarier selbst — mehr über gesellschaftliche, kulturelle und politische Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Das fordert das gegenseitige Verständnis. (Quelle: Informationsfaltblatt Parlamentarisches Patenschafts-Programm (PPP) 2005-2006.)
Während der amerikanische Text insgesamt ermutigender klingt, An Adventure
That Makes a World of Difference verspricht und sich an ambitious young
people richtet, wird potentiellen Bewerbern jedoch versichert, dass sie
die USA bestmöglichst repräsentieren werden just by being yourself.
(Quelle: Internetausschreibung CBYX
2005-2006.)
Der Deutsche Bundestag hingegen erwartet konkret von den Stipendiaten, dass
sie als junge Botschafter’ des Landes einen dauerhaften Beitrag zu
einer besseren Verständigung zwischen jungen Deutschen und Amerikanern
leisten. (Quelle: Vgl. Informationsfaltblatt
PPP 2005-2006.) Hochgesteckte Ziele, die unterschiedliche Anforderungen
an die Teilnehmer stellen.
Doch führt das Überschreiten von Grenzen, das Hinter-Sich-Lassen
der eigenen Kultur und das Leben in der fremden Kultur, das Lernen über
den Anderen und die Begegnung miteinander bereits zu understanding
bzw. Verständnis, wie in den oben aufgeführten Zitaten betont
wird? Können die Stipendiaten des CBYX/PPP das, was sie leisten sollen,
überhaupt erfüllen? Die aus der Soziologie stammende Kontakthypothese,
nach der angenommen wird, dass eine genauere Kenntnis des Anderen zwangsläufig
zu mehr Verständnis und zu einer Verminderung gegenseitiger Antipathie
und Gewalt führen müsste, wurde für das Forschungsfeld des Schüleraustausches
bereits in den 80er Jahren von Alexander Thomas aus psychologischer Sicht in
Frage gestellt.(Quelle: Alexander Thomas, Psychologisch-Pädagogische
Aspekte interkulturellen Lernens im Schüleraustausch, S. 79. Vgl. Herbert
Christ, Schüleraustausch zwischen Verstehen und Missverstehen, S. 181 ff.
und Roland Hagenbüchle, Von der Multi-Kulturalität zur Inter-Kulturalität,
S. 119ff.)
Die Problematik bestand seinen Erfahrungen nach darin,
dass wir bisher relativ wenig darüber wissen, was Jugendliche und Schüler
(...) an einem Aufenthalt im Ausland überhaupt interessiert, was sie wahrnehmen,
wofür sie sensibilisiert sind, wie sie fremdkulturelle Eindrücke verarbeiten
und bewerten, was sie dabei im Spiegelbild der fremden Kultur über sich
selbst und ihre eigene Kultur erfahren und welche Schlussfolgerungen sie daraus
ziehen, d.h. welche Erkenntnisse sie daraus gewinnen. Wir wissen wenig über
die Ausgangsmotivation, den Einfluss vorheriger Auslandserfahrungen und langfristiger
Wirkungen. (Quelle: Alexander Thomas, Psychologisch-Pädagogische
Aspekte interkulturellen Lernens im Schüleraustausch, S. 79.)
Jüngste Arbeiten von Alexander Thomas zeigen, dass dem Forschungsdesiderat
nachgekommen wird, doch ist der Untersuchungsgegenstand in seiner Vielschichtigkeit
schwierig zu fassen. Obwohl dem Thema Schüleraustausch in seiner ganzen
Bandbreite, von Einzel- bis zu Gruppenaustausch, von Tages- bis zu Jahresaustausch
usw., im Zusammenhang mit den Schlüsselbegriffen des interkulturellen Lernens
und fremdkulturellen Verstehens vor allem aus den Forschungsfeldern der Psychologie,
der interkulturellen Pädagogik und der Fremdsprachendidaktik verstärkte
Aufmerksamkeit zukommt, bildet sich eine interdisziplinäre Auseinandersetzung
erst ansatzweise hervor. (Fußnote: Ein Überblick
zum Stand der Forschung, der nur interdisziplinär aufzufassen ist, kann
im Rahmen dieses Aufsatzes nicht gegeben werden. Für die psychologische
Forschung verweise ich auf die Arbeiten von Alexander Thomas; für eine
aktuelle Auswahl an weiterführender Literatur aus fremdsprachendidaktischer
und pädagogischer Sicht zum Thema „interkulturelle Begegnungen“
siehe die von Andreas Müller-Hartmann und Maike Grau zusammengestellte
Auswahlbibliografie und Webliografie, FU-Englisch 70 (4/2004), S. 10-11.)
Das langjährige und detaillierte Wissen der Praxis findet bis auf interne
Veröffentlichungen der Schulen und Austauschorganisationen oder Berichte
regionaler Zeitungen zudem kaum Eingang in akademische Schriften.(Fußnote:
Umgekehrt liegen beispielsweise für die Fachdidaktik komplexe theoretische
Abhandlungen zur Interkulturalität wie von Hans Hunfeld, Fremdheit als
Lernimpuls, und Hans H. Reich, Fachdidaktik interkulturell, vor, doch gibt es
kaum Analysen des Geschehens in der Klasse oder beim Schüleraustausch,
die dieser Komplexität entsprächen. Angelika Kubanek, „Herausbildung
von interkultureller Aufmerksamkeit bei Schülern im frühen Fremdsprachenunterricht
- explorative Vorstudien“, S. 128ff.)
Die Anfang der 1990er Jahre erfolgte Aufnahme des Forscher-Praktiker Dialogs
zur internationalen Jugendbegegnung bietet hier eine der wenigen zukunftsweisenden
Verknüpfungsmöglichkeiten von Theorie und Praxis, deren Ziel es ist,
mit Hilfe wissenschaftlicher Analysen und Modelle die Praxis internationaler
Jugendbegegnungen zu qualifizieren und zugleich theoretische Konzepte mit der
Alltagspraxis internationaler Jugendarbeit zu konfrontieren.
(Quelle: Wolfgang Isenberg et al. „Vorwort der Herausgeber der Reihe“.
S. III. Siehe auch http//www.forscher-praktiker-dialog.de.)
Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis trifft absolut auf das CBYX/PPP
als individuelles Langzeitprogramm zu. Trotz der Fülle von Erfahrungen
und Berichten und einer kontinuierlichen Präsentation des Programms
in der Öffentlichkeit existieren nach Auskunft des Office of Citizen
Exchanges im Department of State der USA sowie des zuständigen Referates
für internationale Austauschprogramme im Deutschen Bundestag keine wissenschaftlichen
Veröffentlichungen für das Programm. (Fußnote::
Die oben genannten Veröffentlichungen von Theo Fuß, Gerd Busse und
Georg Langenhoff sowie von Klaus Allerbeck sind dem zuständigen Referat
des Deutschen Bundestages für internationale Austauschprogramme, PB4, offensichtlich
nicht bekannt.)
Bereits eine Evaluierung der Fragebögen zum CBYX/PPP, die von allen Teilnehmern
am Ende des Austauschjahres auszufüllen sind und lediglich stichpunktartig
bearbeitet werden, würde in Bezug auf die Erwartungen an die Stipendiaten
und das Programm für den Zeitraum der letzten zwanzig Jahre durchaus aufschlussreich
sein. Eine Auswertung der Antworten auf einzelne Fragen, wie sie beispielsweise
an PPP-Teilnehmer bei der seit 2002/03 verwendeten Fassung des Fragebogens gestellt
werden (Fußnote: Diese Fassung stellt nur noch eine
Kurzversion des ersten Fragebogens aus dem ersten Programmjahr 1984/85 dar.
Den früher 56 Fragen, ohne Angabe der persönlichen Daten und Teilfragen,
stehen heute 13 Fragen gegenüber. Vgl. Fragebogen von 1984/85 und 2002/03.
Auch wenn das zuständige Referat des Deutschen Bundestages für Internationale
Austauschprogramme, PB4, von einer Evaluierung vor 2002/03 keine Kenntnis hat,
liegt der Verfasserin als ehemaliger Stipendiatin der Fragebogen für 1984/85
vor. Deutscher Bundestag, Brief an die Autorin, 16. Dezember 2004.),
würde eine Einschätzung interkulturellen Lernens und fremdkulturellen
Verstehens zulassen. Für das Erhebungsjahr 2002/03 werden die Stipendiaten
u.a. aufgefordert, den wichtigsten Grund für die Teilnahme am PPP anzugeben.
Zur Auswahl stehen dabei: Verbesserung beruflicher Perspektiven, Kennenlernen
der amerikanischen Kultur, Sammeln von Auslandserfahrungen, Interesse an internationalen
Beziehungen, als Repräsentant des Landes das Deutschland-Bild in den USA
zu verbessern, Verbesserung der Sprachkenntnisse bzw. die Angabe eines anderen
Grundes. (Quelle: Fragebogen zum Parlamentarischen Patenschafts-Programm
des Deutschen Bundestages Austauschjahr 2002/03, k. Sa).
Zudem wird danach gefragt, ob die Erfahrungen des Austauschjahres die Einstellungen
zu folgenden Begriffen beeinflusst haben: zu Ihrem Heimatland und seiner
Kultur, zu Ihrem Gastland und seiner Kultur, zu den deutschamerikanischen Beziehungen,
wobei die Antwortsätze mit Ja, und zwar ...beginnen und fortzuführen
sind - eine gegenteilige Antwort wird nicht erwartet. (Quelle:
Ebd.)
Die Weichen für interkulturelles Lernen und fremdkulturelles Verstehen
werden von Seiten der Regierungen und der zuständigen Austauschorganisationen
noch vor der Abreise in die Ferne bereits gestellt. Die Stipendiaten werden
auf das Austauschjahr intensiv vorbereitet und erhalten darüber hinaus
eine landeskundliche und politische Schulung (Fußnote:
Für diese weitere Vorbereitung werden keine Informationen von Seiten des
Deutschen Bundestages erteilt und Informationen von Seiten Dritter ausdrücklich
untersagt. Brief an die Verfasserin vom 16. Dezember 2004.), die
amerikanischen Teilnehmer zusätzlich Sprachunterricht. Zudem sind die zukünftigen
Austauschschüler dem Fremden nicht nur am Lernort Schule längst begegnet,
das Eintauchen in die fremde Kultur ist ein Sprung in nur vermeintlich kaltes
Wasser. Von A wie Autobahn, B wie Burger
etc. bis Z würden sich unzählige Beispiele finden lassen,
inwieweit das Fremde bereits scheinbar vertraut ist, das Verstehen wird dadurch
aber nicht einfacher. Erst die konkrete Begegnung mit dem Fremden und das Leben
in der Ferne zeigen, was diese Erfahrung für den einzelnen Austauschschüler
letztlich bedeuten wird. Es sind die kleinen persönlichen Geschichten,
die das Abenteuer Schüleraustausch auf den Punkt bringen, eine, wie sie,
um nur ein einziges Beispiel anzuführen, Bettina Birkmeier, PPP Stipendiatin
des Jahrgangs 1998/99, erzählt:
Übermorgen habe ich Geburtstag. Heute kam ein Geburtstagspaket von
meiner amerikanischen Familie — wie jedes Jahr. (Quelle:
Schatzsucher, Hühnerfarmer & Chaosforscher. YFU-Ehemalige erzählen
aus 20 Jahren, S. 20.)
Die Gastfamilie wie auch Mitschüler und Lehrer an der Gastschule spielen
eine entscheidende und nicht zu unterschätzende Rolle im Ablauf des Austauschjahres
und rücken als Multiplikatoren interkulturellen Lernens erst nach und nach
in das Bild der Austauschforschung. (Quelle: Siehe auch
Friederike Moldenhauer, Interkulturelles Lernen in den AFS-Programmen, Horizonte,
Winter 2003, S. 18.)
Ob das Potential des „Fremden“ in der Schule, die neben der Gastfamilie
für die meisten Austauschschüler das zweite Zuhause in der Ferne ist,
erkannt wird, hängt sehr von der Einstellung der Schulleitung und Lehrkräfte
ab. Im Gegensatz zu der ständig wachsenden Begeisterung für medial
vermittelte Begegnungen und insbesondere E-Mail-Kontakte (Fußnote:
Zur Problematik des Einsatzes von E-Mails als Kommunikationsmedium in Bezug
auf interkulturelles Lernen siehe Michael K. Legutke, Begegnungen mit Fremden
- via E-Mail? und Heike Rautenhaus, Können e-mail Texte zur Förderung
von fremdsprachlicher Kompetenz und Kulturverstehen beitragen?.)
ermöglicht Schüleraustausch die direkte Begegnung „face to face“
und ist so nicht nur für den Fremd-sprachenunterricht von Interesse,
sondern kann zum Begegnungsprojekt der gesamten Schule werden. (Quelle:
Vgl. hierzu Andreas Müller-Hartmann und Maike Grau, Nur Tourist sein oder
den Dialog wagen? FU-Englisch, S. 2ff. Für eine Nutzung dieser Chance plädiert
auch Thomas Ollig in Schüleraustausch - ein Auslaufmodell?, PRAXIS 50 (2003)
2, S. 179.)
Die neuen Medien bieten wiederum die Möglichkeit, die Verbindung zur Heimatschule
zu erhalten und sich auch während des Jahres abroad auszutauschen.
Die Überwindung der räumlichen Distanz im World Wide Web
kann interkulturelles Lernen aber auch problematisieren. Die Rückbindung
per Mausblick zur eigenen Kultur schafft zwar die Möglichkeit, Familie
und Freunde zu Hause beinahe zeitgleich am Erlebten teilhaben zu lassen, doch
werden dadurch auch das Eintauchen und Abtauchen in die andere Kultur
erschwert. Während zu Beginn des Programms in den 1980er Jahren Telefonate
sehr teuer waren, Briefe mindestens sieben Tage für eine Atlantiküberquerung
brauchten und nur wenige Familien einen Faxanschluss hatten, ist heute die Kommunikation
mit zu Hause dank günstigem Provider per Telefon oder fast kostenlos per
E-Mail selbstverständlich. Auch ohne die Möglichkeit eines 24hours-Feedbacks
(Fußnote: Wieviele Stunden pro Woche oder sogar pro
Tag zum Schreiben von E-Mails bei Austauschschülern anfallen, bleibt an
dieser Stelle Spekulation.) sieht selbst die fremde Welt meistens
nach ein paar Tagen wieder anders aus. Die Distanz zur eigenen Kultur ist jedoch
nach Hans Hunfeld Voraussetzung für interkulturelles Lernen, erst
wenn die Grenzen des Verstehens wieder gesehen werden, werden sie zu Lerngrenzen.
(Quelle: Hans Hunfeld, Begegnungspädagogik als Friedenserziehung?,
S. 45.)
Nach Ablauf des Austauschjahres ist mit der Rückkehr der Stipendiaten der
Prozess interkulturellen Lernens keinesfalls abgeschlossen. (Fußnote:
Eine der sehr wenigen Studien, die sich mit dem Langzeiteffekt internationalen
Austausches befasst, wird 2005 im IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation
publiziert: Bachner, David und Ulrich Zeutschel, Students of Four Decades: Participant
Reflections on the long-term impact and meaning of international educational
exchange.)
Ehemalige Austauschschüler werden, wie Ulrich Zeutschel Forschungsergebnisse
der Recherche Internationaler Austausch in der Schule des Forscher-Praktiker-Dialog
von 2004 auswertet, „immer noch zu wenig als Ressource’ eingesetzt,
sowohl für die Weitergabe ihrer Erfahrungen im Unterricht, als auch im
Schulleben allgemein. (Quelle: Ulrich Zeutschel, Spätfolgen
- und was sich daraus machen lässt (Manuskript, k. Sa.).)
Doch nicht nur für die weitere schulische, sondern auch die berufliche
Laufbahn sind die Erfahrungen des Austauschjahres für die Biographie jedes
einzelnen Stipendiaten prägend.
Alles Verstehen ist (...) immer zugleich ein Nicht-Verstehen, alle Übereinstimmung
in Gedanken und Gefühlen zugleich ein Auseinandergehen (Quelle:
Wilhelm v. Humboldt, Über die Verschiedenheit des Menschlichen Sprachbaues,
S. 78.)
- dieser frühe Satz Humboldts scheint mir für Austauschschüler
wegweisend zu sein.
Zwischen Ankunft und Abschied wartet ein Jahr voller Fragezeichen in der
Fremde auf die CBYX/PPP-Stipendiaten, die sich im Alter von 15-18 Jahren meist
ihrer eigenen Identität noch nicht ganz sicher sind. Interkulturelles Lernen
im Schüleraustausch kann, wie Hans Hunfeld für den Fremdsprachenunterricht
gefordert hat, deshalb nicht zum Ziel haben, den jeweils Fremden durch vollständiges
und abgeschlossenes Wissen um ihn aufzuschließen, sondern ihm, bei aller
Verstehensbemühung, jene Möglichkeit von Entwicklung, Widersprüchlichkeit
und Rätselhaftigkeit zu belassen, auf die das Fremde ebenso Recht hat wie
das Eigene. (Quelle: Hans Hunfeld, Fremdheit als Lernimpuls,
S. 413.)
Diese Möglichkeit beinhaltet die Hoffnung eines dauerhaften Dialogs der
Kulturen.
Im Gegensatz zu Samuel P. Huntingtons The Clash of Civilizations and the
Remaking of World Order (1996) schlägt Bassam Tibi in Der
Krieg der Zivilisationen: Zwischen Vernunft und Fundamentalismus (1995)
vor, über kulturelle Grenzen hinweg Brücken zu schlagen, ohne die
Unterschiede zu bagatellisieren. (Quelle: Vgl. Roland Hagenbüchle,
Von der Multi-Kulturalität zur Inter-Kulturalität S. 155ff. Dieser
Band bietet eine grundlegende und umfassende Darstellung der Herausforderung
des Zusammenlebens verschiedener Kulturen.)
Für die CBYX/PPP-Stipendiaten von morgen könnte dies bedeuten, dass
sie sich neben der individuellen Austauscherfahrung einer gemeinsamen Aufgabe
stellen könnten. (Fußnote: Eine solche gemeinsame
Aufgabe ist nicht einer repräsentativen Aufgabe gleichzusetzen, die grundsätzlich
in Frage zu stellen ist, da sie die meisten Austauschschüler überfordert.
Wie Colleen Ward zeigt, verstärkt the role
of ,foreign ambassador’ die Probleme der Austauschschüler, die
bereits mit sprachlichen wie kulturellen Herausforderungen, Vorurteilen, Diskriminierung,
Heimweh und Einsamkeit zu kämpfen und zudem alterstypische Probleme zu
bewältigen haben. Colleen Ward, The Psychology of Culture Shock, S. 9.)
Der Blick würde von der eigenen über die fremde Kultur hinausgehen
und ins Auge fassen, wo die Herausforderungen für beide Kulturen bestünden.
Nicht was Amerikaner und Deutsche gemeinsam haben oder eben nicht gemeinsam
haben, sondern, was gemeinsam zu tun ist, wäre Ausgangspunkt einer solchen
Brückenbauaufgabe für Ziele wie allen voran Friedenssicherung,
Umweltarbeit und Leben in multikulturellen Gesellschaften. (Quelle:
Vgl. auch Karl-Heinz Hetzel, Typisch französich - typisch deutsch?, der
diese Forderung in Bezug auf interkulturelles Lernen zwischen Deutschen und
Franzosen ausgeführt hat. S. 32-33.)
Hier zeigt sich die Chance des Programms, Ziele beider Kulturen unter den jeweiligen
Vorzeichen in ihrem globalen Ausmaß zu entwickeln und zu diskutieren.
Während das Interesse von Seiten der Bundestagsabgeordneten an der Übernahme
einer Patenschaft für das CBYX/PPP nach wie vor sehr hoch ist, ist
für die Beziehungen von deutschen Austauschschülern zu amerikanischen
Abgeordneten anzunehmen, dass diese Kontakte zwar vor Ort aktiviert, aber kaum
intensiviert werden. Dabei können gerade die jeweiligen Perspektiven der
Austauschschüler für die politische Arbeit beider Paten von Nutzen
sein. Bei einer Bündelung von Ansichten und Einsichten werden Strategien
entwickelt, die für die deutsch-amerikanischen Beziehungen Impulse geben
könnten. Während solche politisch ambitionierten Projekte während
des Austauschjahres durch Email-Kommunikation und direkte Kontakte umgesetzt
werden könnten, würden die Besuche der jeweiligen Regierungssitze
in den Hauptstädten der Länder während und am Ende des Austauschjahres
auch zu Foren gemeinsamer Interessen werden. Auf der Hand liegt, dass die organisatorischen
und finanziellen Bedingungen dafür bereits gegeben sind, doch die Zielausrichtung
noch genauer zu formulieren ist und eine Konkretisierung der interkulturellen
Kommunikation bedeuten würde. Diese Foren könnten auch nach Ende des
Austauschjahres weiter mitverfolgt werden, ein Netzwerk für einen zukünftigen
Dialog aufgebaut werden. (Fußnote: Vorausschauend
wäre hier die im ersten Jahr des PPP-Programms im Fragebogen 1984/85 gestellte
Frage gewesen: „Was könnte nach Ihrer Ansicht der Deutsche Bundestag
tun, um den Zusammenhalt unter den ehemaligen PPP-Stipendiaten zu fördern?“
(Fragebogen 1984/85, keine Seitenangabe). Die Chancen einer Fortführung
der interkulturellen Lernerfahrung nach der Teilnahme an internationalen Jugendaustauschprogrammen
diskutiert der von Ulrich Zeutschel herausgegebene Sammelband Jugendaustausch
- und dann ...? Der Band präsentiert wissenschaftliche Modelle und Forschungsergebnisse
zu Langzeitwirkungen der Austauschteilnahme, die bislang kaum öffentliches
und wissenschaftliches Interesse hervorgerufen haben.)
Das 20-jährige Jubiläum des CBYX/PPP hätte Anlass geben können,
eine Plattform für die Entwicklung solcher Zukunftsperspektiven zu bilden.
Obwohl von der Verwaltung des Deutschen Bundestages eine Veranstaltung in Berlin
für Juni 2004 geplant war, an der deutsche Stipendiaten möglichst
vieler Jahrgänge, Gasteltern der US-amerikanischen Stipendiaten, Abgeordnete
des Bundestages sowie Mitarbeiter der Austauschorganisationen teilnehmen sollten,
(Quelle: Möller, Knut YFU Infobrief: 20. Jubiläum
des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms) fand in diesem Rahmen
keine solche Veranstaltung statt. (Fußnote: Zumindest
für die PPP-Teilnehmer der Austauschorganisation YFU konnte die Einladung
nach Berlin für den 24. September 2004 doch noch ausgesprochen werden.
An der Jubiläumsfeier nahmen an die 400 Gäste teil. „20 Jahre
PPP Wiedersehensfreude im Berliner Reichstag“ YFU Freunde und Förderer
aktuell, S. 1.)
Dabei ist die politische Notwendigkeit für einen internen und externen
Ausbau des Programms längst gegeben. Die Regierung der Vereinigten Staaten
hat in dieser Konsequenz seit 1992 das Future Leaders Exchange Program (FLEX)
mit Ländern der früheren UdSSR und seit 2003 Partnerships for
Learning, Youth Exchange and Study Program (P4L-YES) mit Schülern
aus überwiegend muslimischen Ländern aufgenommen. (Quelle:
http://exchanges.state.gov/education/citizens/students/eap.htm und http://exchanges.state.gov/education/citizens/students/nena/yes.htm.)
Und die Regierung Deutschlands? (Fußnote: Zumindest
bei der YFU-Feier zum 20. Jubiläum des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms
wurde u.a. von der Bundestagsabgeordneten Anna Lührmann, MdB, für
eine Öffnung des Programms mit dem Osten und muslimischen Ländern
plädiert.)
Zukunftsweisende Unterstützung könnte bei dem Arbeitskreis gemeinnütziger
Jugendaustauschorganisationen (AJA) gefunden werden, der mit YFU, AFS, Experiment
und Partnership International vier deutsche und gemeinnützige Austauschorganisationen
umfasst, die bereits alle am CBYX/PPP beteiligt sind, ihre Programme längst
weltweit geöffnet haben und sich den im Jahr 2000 entwickelten AJA-Qualitätskriterien
für den internationalen Jugendaustausch verpflichtet haben. In Abgrenzung
zum Schülertourismus wird Schüleraustausch von AJA als interkulturelles
Bildungsangebot auf Gegenseitigkeit gesehen, um langfristig der Völkerverständigung
und dem Frieden zu dienen. (Fußnote: Zudem wurde der
Arbeitskreis AJA Ende 2003 in den Internationalen Jugendaustauschund Besucherdienst
der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB) aufgenommen, der als bundeszentrale
Fachstelle für Jugendpolitik, Jugendarbeit und Jugendinformation im Auftrag
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und seiner
Mitgliedsverbände tätig ist. http://www.aja-org.de/ajadeutsch.html.)
Ein Dialog der Kulturen kann nur zustande kommen, wenn es Menschen gibt, die
bereit und kompetent sind, einen Dialog der Kulturen zu führen. (Quelle:
Siehe ausführlich Alexander Thomas, Interkulturelles Lernen im Lebenslauf,
S. 31 ff., und Internationaler Schüleraustausch als Beitrag zur Entwicklung
interkultureller Handlungskompetenz, S. 2-3.)
Internationaler Schüleraustausch mit Mitgliedern und Anwärtern der
Europäischen Union ist über die Ebene der Schulpartnerschaften (Quelle:
Siehe dazu Gunhild Böth, Schulpartnerschaften. Der Beitrag der Schulpartnerschaften
zum Interkulturellen Lernen.) hinaus für den Einzelaustausch
Herausforderung und Aufgabe der Gegenwart, um diesen Dialog nicht verstummen
zu lassen. Eine Öffnung des PPP im Sinne von Neugründungen mehrerer
Programme mit den Nachbarstaaten wäre zwar ein Meilenstein, doch noch keine
Projektionsfläche für ein Europa der Zukunft. Ein für alle Schüler
Deutschlands — gleich welcher Schulart und Schulleistung - zwischen der
neunten und zehnten Jahrgangsstufe verpflichtendes halbes Jahr in einem europäischen
Land wäre ein Garant für einen Dialog der Kulturen.
But you who are wise must know, that different Nations have different Conceptions
of things - seit der Aufnahme des CBYX/PPP Anfang der 80er Jahre zeigt
sich, dass sich an einem einmal erreichten Status Quo in den Beziehungen zwischen
den Vereinigen Staaten und Deutschland nicht festhalten lässt, sondern
sich das Verhältnis der beiden Nationen ständig neu zu definieren
hat und damit auch das Programm per se weiterentwickelt werden muss. Brücken
müssen aber nicht nur von Deutschland aus über den Atlantik zu den
Vereinigten Staaten, sondern auch zu den europäischen Staaten gebaut werden.
Wenn Regierungen Schüler austauschen, ist just business as usual heute
just not enough!
Benjamin Franklin hätte solche Pläne sicher begrüßt.
Als Amerikaner und Founding Father der Neuen Welt war er Zeit seines
Lebens bemüht, Grenzen zu überschreiten und Brücken zu bauen.(Quelle:
Vgl. auch Ormond Seavey, der auf die verbreitete Auffassung von Benjamin Franklin
als the most well-traveled, most internationally sophisticated, most widely
known of the American Founding Fathers - even of all English-speaking inhabitants
of the New World before 1800 hinweist. Ormond Seavey, Benjamin Franklin as Imperialist
and Provincial, S. 21.)
Es überrascht nicht, dass die Remarks Concerning the Savages of North-America
aus transatlantischer Distanz während seiner Zeit als America’s
first Minister Plenipotentiary to the Court of France als Teil der Bagatelles
front Passy in seiner eigenen Hauspresse zwischen Paris und Versailles gedruckt
wurden. (Fußnote: Auch wenn The Bagatelles from Passy
im gewaltigen Werk Benjamin Franklins nur eine untergeordnete Stellung einnehmen
und in ihrer Art auch als Spiel mit dem Genre der „Bagatelle“ als
„Composition legere“ gelesen werden können, ist es doch für
das Selbstverständnis der heutigen USA bezeichnend, dass der Auszug als
„Remarks on the Politeness of the Savages of North America“ in An
Early American Reader veröffentlicht wird, dem ersten Band einer Reihe
zur amerikanischen Literatur, der von der United States Information Agency in
Washington herausgegeben wird.)
Der französische Originaltitel Remarques sur la Politesse des Sauvages
de L’Amérique Septentrionale verrät deutlich die didaktische
Absicht des bereits Siebzigjährigen, der in Frankreich für Amerika
Großes erreichen sollte. (Fußnote: Für
eine intensive Auseinandersetzung mit der indianischen Kultur in Amerika spricht
Franklins Bestreben, möglichst viele Verträge mit indianischen Stämmen
abzudrucken, die in einer Faksmile Ausgabe von Julian P. Boyd und Carl Van Doren
zusammengestellt wurden. Siehe ferner J.A. Leo Lemays Ausführungen zu „Franklin
and Ethno-Cultural Issues“. Zur Komplexität des Begriffs „Politeness“
im Kontext der damaligen Zeit siehe Michael Warner „Savage Franklin“,
S. 75ff.)
Für Benjamin Franklin waren die Native Americans bereits Freund (Quelle:
Als Freund der Ureinwohner wurde Franklin bereits von seinen Zeitgenossen gesehen.
Siehe Julian P. Boyd Dr. Franklin: Friend of the Indians.), für
die meisten seiner amerikanischen Landsleute jedoch Ende des 18. Jahrhunderts
the savage Other (Quelle: Eve Kornfeld, Encountering ,The
Other’, S. 292-293. Zitiert bei Mark Häberiin Contesting the ,Middle
Ground’: Indian-White Relations in the Early American Republic, S. 15.),
wenig später der Feind.
Eine Arbeit von Christine Strobl, entnommen
aus: Boatcâ, Manuela; Neudecker, Claudia; Rinke, Stefan (Hrsg.) (2006)
Des Fremden Freund, des Fremden Freund: Fremdverstehen in interdisziplinäre
Perspektive Münster, New York: Waxmann, 119-136.
Hier finden Sie das umfangreiche Literaturverzeichnis als PDF-Dokument.
Examples of special borders:
The home as a special place:
o Entering the home is connected with rituals (knocking on the door, doormen)
o The doors to a home are decorated (name plate, ornaments, the pentagramm)
o Special clothing at home, less formal
o Taboo places: the palace of the Chines Emperor; villas of rich people protected
by high walls, protected areas in a city for foreigners, e.g. condominiums in
Sao Paolo.
Zusammenfassung von Girtler, Roland: Abenteuer
Grenze. Wien, 2006,
zentrale Stichworte aus dem Einführungskapitel
Ins Englische übersetzt von A. Kubanek
As people have a physical existence, their lives are irrevocably tangled up
in certain surroundings. People are continually reacting to, and interacting
with, places. Places have meanings for people as individuals and as social and
cultural groups.
The interaction has various elements:
In the school geography curriculum, there is plenty about places, but very little
about place. Words like place, space and landscape can be
unpacked and questioned in order to create critical thinking of pupils in both
geography and history classrooms. Developing different approaches to place
in the classroom means developing pupils’ historical thinking, curiosity
and knowledge.
Simple definition a meaningful location. (Cresswell,
T.: Place: A Short Introduction Oxford; Blackwell Publishing Ltd. 2004 p. 7)
Place tends to be defined in opposition to space, seen as the encompassing
volumetric void in which things (including human beings) are positioned.
(Casey, E. (2001)
Between Geography and Philosophy: What does it mean to be in the place-world?,
Annals of the Association of American Geographers, 91(4),
pp. 683- 693.)
So place could be seen as space made meaningful by people. (Malpas,
J. (1999) Place and Experience, Cambridge: Cambridge University Press. Ch. 1)
To make space a place, there is a social investment of meaning but there is
still a physical dimension in real or imagined space. There are four interlinked
aspects:
Students knowledge about place is not purely cognitive (learning information about a place) but is also affective (feeling something for a place).
To broaden out students’ work on the Amazon Rainforest, a teacher may
invest time in creating one: bringing in houseplants which have their
origins in the rainforest, playing a CD of rainforest noises, projecting images
of the rainforest onto a wall, etc.
-> the aim: to develop a sense of place
-> traps: it is easy to create an over- generalised picture of an environment
Firsthand experience of the place would clearly be valuable for students, e.g.
fieldtrips.
If a place is seen as bounded and its homogeneity or perceived stability is
valued, then newcomers are likely to be seen as a threat.
It is better to regard place as “having multiple identities”, already
diverse as a result of the processes of change and global links over time (e.g.
migration).
-> uniqueness of place.
The need of exploring the interplay of geographical and historical factors in
a place’s past, present and future: Which international, national and
local links, structures and personalities helped shape the unique physical and
social form of the place today?
-> makes clear to the students that places are continually experiencing change.
Social space: place combines normally tacit social understanding with the
spatial element. (Cresswell, E.)
Most people, most of the time do not question the tacit or written rules which
apply in each place- they aspire to what is accepted or allowed
in order to create and serve the power relations within a social hierarchy,
e.g. master and servant.
Transgression: Groups that seek to change the established social hierarchy/
norms.
-> Which can lead to new meanings of a social space emerging over time.
For example: a conflict over which groups have the right to access Stonehenge.
-> It is an ideological aspect of place, which conceptualises it in terms
of behavioural norms, acts of transgression and relationships of power.
Exploring representations of places
There is a variety of media, e.g. articles, clips from TV news, documentaries,
maps, photographs, films, etc., in order to present students a picture of a
certain place.
So it is important to help students to develop the ability to examine a certain
representation of a place in detail and to explore the choices involved in the
process of representation.
A landscape might contain built and natural elements.
In the classroom: there is potential in both geography and history class to
explore how landscapes reflect local, regional, national and global processes
of social, economic and political change. Also, how significant landscapes contribute
to the construction of regional and national identities.
Zusammenfassung von: Taylor, Liz: Sense,
relationship and power: Uncommon views of place. In: Teaching history. (Historical
Association, London) 2004, Band 116, S. 6-13.
Quelle: www.tandem-org. com, Stand August 2006
Die Studie hat zum Ziel die Langzeitwirkung von internationalen Jugendbegegnungen
zu untersuchen. Dies wurde versucht durch den Einsatz verschiedener Methoden
zu realisieren:
Ergebnisse:
Allgemein kann man sagen, dass sich die Befragten genau an ihren Austausch–
an ihre damaligen Handlungen, Gedanken und Gefühle- erinnern konnten und
sogar mit Wirkungen in Verbindung bringen konnten, die bis heute andauern.
Weiterhin ergab sich aus der Untersuchung, dass 41% heute noch Kontakt zu
Personen aus ihrem Austauschprogramm haben, 64% dagegen haben keinen Kontakt
mehr.
Schritte zu einem Portfolio über kulturelles Lernen enthält
der folgende Bericht einer Arbeitsgruppe, die im Rahmen der Projekte des Europarats
tätig ist:
Bitte hier klicken, um das PDF
zu lesen!
Die offizielle Position der Europäischen Kommission (Stand: Herbst
2008) zu diesem Thema finden Sie im folgenden: