Der Versuch, den Begriff Interkulturelles Lernen eindeutig zu definieren erweist sich als außerordentlich schwierig, da er vielschichtig diskutiert und bisweilen sehr unterschiedlich verstanden wird. Deshalb wird hier ein kleiner Katalog von Definitionen zusammengestellt werden.
In kaum einem Handbuch, dass sich mit Interkulturellem Lernen beschäftigt
findet man eine konkrete Definition, vielmehr wird stets darauf hingewiesen,
dass die abstrakte Ziel- und Konzeptdiskussion des Interkulturellen Lernens
derzeit noch nicht abgeschlossen ist. (Quelle: Roche, Jörg:
Interkulturelle Sprachdidaktik, eine Einführung. Tübingen, 2001.)
Des Weiteren erschwert sich der Versuch einer Definition dadurch, dass im Zuge
der Thematik nicht nur von Interkulturellem Lernen, sondern auch von Interkultureller
Pädagogik, Interkultureller Erziehung oder Interkultureller Interaktion gesprochen
wird, ohne dass sich erkennen lässt, wie die einzelnen Begriffe voneinander
abgegrenzt sind. Oft steht der jeweils verwendete Begriff einfach synonym für
die ganze Thematik. Einigkeit besteht, laut Petra Hölscher, nur insofern,
dass es heutzutage notwendig ist, Interkulturelles Lernen als wesentlichen Bestandteil
in den Schulalltag aufzunehmen. (Quelle: Hölscher, Petra: Interkulturelles
Lernen, Projekte und Materialien für die Sekundarstufe I, Frankfurt am
Main, 1994.)
Zunächst ist es daher notwendig, den Begriff interkulturell gesondert
zu betrachten. Interkulturell wird nach Goglin als die Gestaltung von
Formen der Interaktion, der Kooperation und der Verständigung zwischen Menschen
mit unterschiedlichen Zugehörigkeiten definiert. (Quelle: Bausch,
Karl- Richard; Christ, Herbert; Krumm, Hans- Jürgen: Handbuch Fremdsprachenunterricht.
4.Auflage, Tübingen, 2003.) Die Aktualität des Begriffes ergibt sich
aus der Beobachtung, dass unsere Gesellschaft durch die wachsende grenzüberschreitende
Migration und nicht zuletzt durch den Einfluss der Medien zunehmend interkulturell
wird. Die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für den Schulalltag ergeben,
stellt sich die interkulturelle Pädagogik. Jegliche didaktischen Konzepte, die
sich damit beschäftigen, wie interkulturelle Erziehung in der Schule stattfinden
kann, werden unter dem Oberbegriff Interkulturelles Lernen zusammengefasst.
Dabei werden zum jetzigen Standpunkt der Forschung verschiedene Annäherungsweisen
unterschieden. Goglin unterscheidet zwischen begegnungsorientierten
didaktischen Ansätzen, reflexiv orientierten didaktischen Ansätzen, ethnografischen
Methoden und der kritischen Ansicht, dass jedes fremdsprachliche Lernen automatisch
auch interkulturelles Lernen sei. (Quelle: Ebd.)
Begegnungsorientierte didaktische Ansätze legen ihren Schwerpunkt auf den Begegnungsaspekt
des Interkulturellen Lernens. Es geht um das Erfahren und Kennen lernen fremder
Kulturen als Mittel der Erkenntnis.(Quelle: Ebd.) So
versteht Hölscher Interkulturelles Lernen als gegenseitiges voneinander
Lernen und gegenseitiges einander bereichern durch die Konfrontation mit dem
Fremden. Der Umgang mit dem Andersartigen und vor allem der Umgang mit der eigenen
Angst vor Fremdem ist, so Hölscher, ein wesentlicher Bestandteil bei
der Erziehung zu Toleranzfähigkeit. (Quelle: Hölscher, 1994.)
Reflexiv orientierte didaktische Ansätze des Interkulturellen Lernens beschäftigen
sich mit der Frage, ob und in welcher Weise kulturelle Ausdrucksformen Anlass
für interkulturelle Benachteiligung sein können. Es geht um die Freilegung von
Ursachenkomplexen und strukturellen Barrieren, die dazu führen, dass prinzipiell
gleichberechtigte Kulturen einer pluralen Gesellschaft ungleichberechtigt sind
bzw. werden. (Quelle: Bausch et al., 2003) Demgegenüber
versucht die ethnografische Methode Schülern Spracherfahrungen immer in Bezug
auf eine fremdsprachliche Umgebung zu ermöglichen. Auf diese Weise sollen gemachte
Differenzerfahrungen genau gekennzeichnet und in ihren Funktionsweisen und Folgen
analysiert werden können. Dieses Konzept basiert auf der Grundidee, dass sich
angemessenes fremdsprachliches Handeln durch Flexibilität gegenüber unterschiedlichen
Varianten ausdrückt. Methodisch lassen sich bei der ethnografischen Annäherungsweise
direkte Spracherfahrungen in einer fremdsprachlichen Umgebung (grenznahes Interkulturelles
Lernen in Austauschprogrammen wie dem Programm Lerne die Sprache des Nachbarn)
von simulierten Situationen im Klassenzimmer unterscheiden. (Quelle:
Ebd.)
Die Ansicht, dass fremdsprachliches Lernen an sich bereits interkulturelles
Lernen ist, wird von Michael Byram vertreten:
Teaching for linguistic competence cannot be separated from teaching for intercultural competence. (Quelle: Byram, Michael: Teaching and Assessing Intercultural Communicative Competence. Cleveland, 1997.)
Byram geht davon aus, dass sich Fremdsprachenunterricht nicht nur
auf die Vermittlung der linguistischen Komponente der Fremdsprache beschränkt.
Da jede Sprache in einem bestimmten Kontext steht, kann sie seiner Ansicht nach
auch nicht ohne eine entsprechende Vermittlung des Kontexts verstanden werden,
so dass die Vermittlung der kulturellen Dimension im Fremdsprachenunterricht
generell sprachbegleitend mitschwingt. Die kulturelle Dimension beinhalte wiederum
automatisch den interkulturellen Aspekt, das sie die Lerner auf Andersartigkeit
vorbereitet und über landeskundliche und kulturspezifische Eigenheiten informiert.
(Quelle: Ebd.)
Prozessorientierte didaktische Ansätze kritisieren Byrams Ansicht insofern,
dass in ihnen das alleinige Wissen über landeskundliche und kulturelle Unterschiede
noch kein angemessenes Lernziel Interkulturellen Lernens ist. Vielmehr geht
es um den Prozess der Auseinandersetzung mit der kulturellen Dimension einer
Sprache. Hintergrund dieser Annahme ist die Feststellung, dass in den Schulklassen
pluraler Gesellschaften Schüler mit höchst unterschiedlichen sprachlich- kulturellen
Vorerfahrungen sitzen. (Quelle: Bausch et al., 2003)
Einen solchen prozessorientierten didaktischen Ansatz findet man bei Roche.
Roche versteht Interkulturelles Lernen als ein erweitertes Kulturverständnis
und sagt, dass durch die Einsicht in andere Kulturen humanistische und soziale
Erfahrungen gemacht werden, die dazu führen, Fremdheitsgefühle überwinden zu
können. Interkulturelles Lernen bestünde daher vorrangig daraus, Differenzen
durch die Anerkennung und das Akzeptieren oberflächlicher Kulturunterschiede
abzuschwächen und die Gleichheit aller Menschen auf der Grundlage von Ähnlichkeiten
und Gemeinsamkeiten zu betonen. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Roche
ist die Änderung der Sichtweise, die Interkulturelles Lernen auf die eigene
Kultur ermöglicht. Anhand des Zitats der Fremde Blick auf das Eigene
von Levin Strauss erklärt Roche, dass Lernende nicht nur die
Möglichkeit bekommen, andere Kulturen besser zu verstehen, sondern gleichzeitig
auch erfahren können, wie andere Kulturen ihre eigene verstehen. Das Akzeptieren
von Gemeinsamkeiten und Unterschieden verschiedener Kulturen, sowie die Fähigkeit
die eigene Kultur mit etwas anderen Augen sehen zu können, führen insgesamt
zu einem erweiterten Horizont, was nach Roche das eigentliche Lernziel
Interkulturellen Lernens ist. (Quelle: Roche, 2001)
Zusammenfassend lässt sich Interkulturelles Lernen vielleicht am Ehesten als
Prozess des Verstehens und Verstandenwerdens unterschiedlicher Kulturen untereinander
beschreiben. Es ist der Versuch, kulturelle Unterschiede zu überwinden und durch
Andersartigkeit entstehende Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, aufbauend
auf dem Toleranzgedanken lieber voneinander zu profitieren, anstatt sich das
Leben gegenseitig zu erschweren. Entscheidender als die Frage, wie man Interkulturelles
Lernen letztendlich definiert, bleibt jedoch die Frage, wie sich Interkulturelles
Lernen praktisch im Schulalltag umsetzten lässt. Hölscher nennt hierzu
konkrete unterrichtspraktische Beispiele, wie:
* Texte, Märchen und Geschichten aus den Herkunftsländern der ausländischen Mitschüler in den Unterricht einbeziehen
* Informationen über das Leben in verschiedenen Kulturen geben
* Auseinandersetzung mit der Lebens- und Gefühlswelt von Migranten und Flüchtlingen
* Verhältnis zwischen Einheimischen und Mitbürgern anderer Herkunftskulturen thematisieren
* Begegnung und Umgang mit dem Fremden
* Sensibilisierung für sprachliches Miteinanderumgehen
* Souveränes Miteinanderleben in Toleranz und Verständnis vorbereiten und stärken
(Quelle: Hölscher, 1994)
Den Versuch, prinzipiell denkbare Lernziele von Interkulturellem Lernen aufzustellen, findet man u.a. bei Nieke, der insgesamt 10 Zielsetzungen interkulturellen Lernens formuliert:
Zusammenstellung von Bereichen des Konzepts interkulturelles Lernen: Sonja Röder, Juli 2006
Die Kontroverse zwischen universalistischem und relativistischem
Deutungsmuster beherrscht die Debatte um Interkulturelle Erziehung
bzw. Interkulturelles Lernen in den Erziehungswissenschaften.
Die wachsende Bedeutung des Interkulturalitätsgedankens markiert eine Abwendung
von der Dichotomisierung des Eigenen und des Fremden hin zu einer Fokussierung
der Wechselseitigkeit und des Austauschs. In der Fremdsprachendidaktik stand
der Erwerb von Wissen über das Andere jenseits der eigenen Landesgrenzen im
Vordergrund. In den Erziehungswissenschaften spiegelte die Ausländerpolitik
das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft als Problem wieder.
-> Der Interkulturalitätsgedanke erscheint egalitärer, da eine Differenz
nicht als Defizit gewertet wird und kein Kriterium für Ausgrenzung ist, sondern
als natürliche Gegebenheit einer pluralistischen Gesellschaft betrachtet wird.
Die Diskussion wird von der erkenntnisorientierten Kontroverse Universalismus
versus Relativismus beherrscht.
Vertreter universalistischen Denkens berufen sich auf eine kulturübergreifende
Wesensgleichheit des Menschen, wobei man hier zwei Varianten unterscheiden kann:
Wolfgang Klafkis (1998) Konzept allgemeiner Bildung: Schlüsselprobleme, die jeweils epochenspezifisch allgemeingültig festzulegen wären. Unterscheidet zwei Hierarchiestufen:
Krassimir Strojanov erweitert Klafkis universale Schlüsselprobleme
durch das phänomenologisch fundierten Lebensweltkonzept (Schütz/
Luckmann 1984): Um der Vision einer globalen Zivilgesellschaft
näher zu kommen, sollten Individuen motiviert werden, ihre eigenen biographisch-
kulturellen Hintergründe zu artikulieren und diejenigen Anderer zu respektieren.
-> sprechen von interkultureller Bildung
In Helmut Schweitzers Schrift Der Mythos vom interkulturellen Lernen
(1994) lässt sich ein ausführliches Konzept des Transkulturalitätskonzeptes
finden. Vorstellungen eines interkulturellen Lernens und transkultureller, globaler
Kompetenz blieben lediglich ideologisch verbreitete Mythen, solange die sozioökonomischen
Strukturen der Einwanderungsgesellschaft keine echte Gleichberechtigung ermögliche.
Gegen die universalen Werte richten sich die kulturrelativistischen Werte,
die auf jegliche Normativitäten verzichten müssen, da sie keine absoluten Urteilskriterien
besitzen. Daher plädiert Wolfgang Nieke (2000: 96 f.)
für einen aufgeklärten Eurozentrismus: Es wird das Eingeständnis gemacht,
nie ganz vorurteilsfrei die Deutungs- und Wertungsmuster einer anderen Lebenswelt
/ Kultur verstehen zu können; das sei stets nur aus dem Blickwinkel der eigenen
Kultur möglich. Diese Sichtweise kann aber zu mehr Toleranz führen.
Universalistische Sichtweisen sind ursprungsgeschichtlich eurozentrisch. Zum
Beispiel Schilmöller (1996): Er geht von der
antiken Idee eines recte vivere aus. Die Vorstellung vom richtigen,
gelingenden Leben besitzt jedes einzelne Individuum und ist sich auch gleichzeitig
über die Relativität eigener Deutungen bewusst. -> Verlagerung der wertenden
Instanz überindividuellen Geltungsanspruchs auf die Ebene des Subjekts. Fazit:
Es lassen sich weder universalistische noch relativistische Positionen in Reinform
finden. Auffallend ist , dass Kultur überwiegend als eine feste Größe
betrachtet und an ethnische, religiöse oder nationale Differenzmerkmale gekoppelt
wird.
Wolfgang Welsch kritisiert in seinem Aufsatz (1999)
die immer noch herrschende Auffassung von Kultur als einem Konstrukt mit einem
Zentrum und klaren Grenzen. Er entwickelt ein Verständnis von Transkulturalität,
indem er in Bezug auf den Kulturbegriff das Modell einer Hybridisierung entwirft:
Unsere Kulturen haben de facto längst nicht mehr die Form der Homogenität
und Separiertheit, sondern sind weitgehend durch Mischungen und Durchdringungen
gekennzeichnet. Diese neue Struktur der Kulturen bezeichne ich, da sie über
den traditionellen Kulturbegriff hinaus- und durch die traditionellen Kulturgrenzen
wie selbstverständlich hindurchgeht, als transkulturell“ (Welsch 1999: 51).
Er vergleicht transkulturelle Strukturen mit Geweben, die aus unterschiedlichen
Fäden zusammengesetzt und auf unterschiedliche Weise gewebt sind (Idee
eines Netzwerkes) (Welsch 1995).
-> Kultur und Identität sind letztlich diskursiv hergestellte Konstrukte.
Ein Beispiel: Kultur als Differenzierungskategorie von Thomas Höhne
(2001): Kultur an sich existiert nicht, sondern nur
als Objekt eines Diskurses. Kultur ist, wie sogenannte dispositionale
Merkmale (Neid, Egoismus, usw.) nicht direkt zu beobachten und hat daher eo
ipso nominalen Status. Beschreibbar ist sie nur über ein Set aus Indikatoren,
die in einer entsprechenden Definition festgelegt werden müssen und Teil der
Konstruktion sind (2001: 210).
Zusammenfassung von : Lutz Küster: Der Gegensatz Transkulturalität und Interkulturalität aus Sicht der deutschen Erziehungswissenschaft- Anschlussmöglichkeiten für die Fremdsprachendidaktik? In: Eckerth, J./ Wendt, M. (Hrsg.): Interkulturelles und transkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main, 2003. Band 15, S. 41- 51.
In der Fachliteratur lassen sich stark vereinfacht dargestellt zwei Zweige
unterscheiden:
Arbeiten über interkulturelle Kommunikation versuchen den Einfluss des kulturellen
Hintergrundes auf die Kommunikation zwischen Gruppen und zwischen Personen zu
analysieren. (Rehbein 1985; Gudykuns/ Ting- Toomey/ Chua 1988:
Gudykuns 1991)
Interkulturelle Erziehung wird heute im allgemeinen verstanden als:
(...) pädagogische Reaktion, theoretischer und praktischer Art, auf die
migrationbedingte kulturelle Pluralität der Gesellschaft (...) Begegnung mit
anderen Kulturen – Beseitigung von Barrieren, die einer solchen Begegnung entgegenstehen
– Herbeiführen von kulturellem Austausch und kultureller Bereicherung, ohne
dabei aus den Augen zu verlieren, dass die Gewichtung dieser Zieldimensionen
und ihre methodisch- didaktische Gestaltung von Bedingungen abhängen, die nur
begrenzt von der Pädagogik beeinflusst bzw. Kontrolliert werden können und einem
historischen Wandel unterliegen.
(Manfred Hohmann, in: Hohmann/ Reich 1989: S. 12- 16.)
Den Hintergrund für die Forschung bildet die wachsende Multikulturalisierung
der heutigen Welt, bedingt durch Migrationsflüsse, Massentourismus, internationale
wirtschaftliche Verflechtung, Mobilität der Studierenden, Informationen durch
die Medien. (-> Wenige gesellschaftliche Bereiche mit monokulturellen Bedingungen)
Wichtig ist zu beachten, dass das Nebeneinanderleben/Zusammenarbeiten von Personen/Gruppen
mit verschiedenen kulturellen Hintergründen nicht bedeuten muss, dass sie miteinander
kommunizieren.
In diesem Zusammenhang muss unterschieden werden zwischen:
Multikulturell: Bezeichnet in der Regel einen Ist-Zustand
Interkulturell: Betont dagegen eher die dynamische Begegnung, den Austausch oder auch den Konflikt zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen. Begegnung und Konflikt sind nicht in jedem Falle an die konkrete, persönliche Interaktion zwischen Personen/Gruppen gebunden.
Zusammenfassung von: Allemann- Ghionda, C./ Ogay, T. : Interkulturelle Sensibilisierung. Ein Vademecum. Bern: Bundesamt für Bildung und Wiss.; Aarau: Schweiz. Koordinationsstelle für Bildungsforschung, 1995. S. 15- 17.
Zusammenfassung von: A. Thomas: Analyse der Handlungswirksamkeit von Kulturstandards. In: ders. (Hrsg.): Psychologie interkulturellen Handelns. Göttingen 1996, 107. 135.
Im Fremdsprachenunterricht an der Grundschule ist explizites kulturelles Lernen durchaus nicht immer beabsichtigt. Mögliche Gründe dafür seitens der Lehrenden sind:
Das Modellprojekt Fenstersprache konzentrierte sich auf den Lebensraum der Schüler. Die Schüler sollten etwas über die verschiedenen Kulturen lernen, die in der eigenen Umwelt- oft auch in der eigenen Klasse- zusammentreffen. Als Unterrichtssprache dient Englisch (oder eine der von Schülern benutzte Muttersprache oder auch Deutsch). (In Nordrhein- Westfalen in den 1990ern angewandter Ansatz.)
Begegnung der Schüler mit Kindern anderer Nationalitäten im Rahmen von schulisch organisierten Programmen. Schüleraustausch und Schülerbegegnungen über die Grenzen hinweg gelten allgemein als eine Bereicherung des Fremdsprachenunterrichts. Die Kinder können direkt und in einem symmetrischen Machtverhältnis mit ihresgleichen kommunizieren. Es gibt aber auch kritische Stimmen dazu: Schüler kehren oftmals- gerade bei kurzen Aufenthalten- von solchen Begegnungen zurück, ohne die alten Stereotypen abgelegt zu haben. Oder sie verallgemeinern einzelne Erlebnisse zu neuen Stereotypen. Daher ist eine intensive pädagogischen Begleitung solcher Programme notwendig.
Bestimmte Fächer werden direkt in der Fremdsprache unterrichtet. Durchaus diese Art von Unterricht wird die fremde Sprache den Kindern schnell vertraut. Das bedeutet jedoch nicht automatisch kulturelles Lernen. Es gilt, verschiedene Faktoren zu berücksichtigen:
Den Kindern werden Informationen über das Stammland der anderen Sprache vermittelt. Klassischerweise wurde in deutschen Sprachlehrbüchern ab der später Anfangsphase über das Stammland der Lernsprache informiert. Heute findet sich eine Vielzahl von Aspekten, meist schon ab Anfang, zumindest deutscher Englischbücher für Kinder. Es mag dabei sinnvoll sein, kindgerechtes Lehrmaterial aus diesem Land heranzuziehen, sofern diese landeskundliche Themen behandeln. Ein paar Beispiele landeskundlicher Inhalte, die man in Lehrbüchern findet:
- Geographie
- (Haupt)-städte
- Bildung und Schule
- Feiertage und Feiern
Zu beachten ist: Landeskundliches Lehrmaterial kann Stereotypen vermitteln, auch wenn es aus dem Land kommt, über das es informiert.
In Deutschland wird Sekundarstufen-Unterricht für die Grundschule abgelehnt. Daher werden auch keine Sekundarstufen- Lehrbücher verwendet. Man könnte jedoch in Erwägung ziehen, die kulturellen Inhalte dieser Lehrbücher für die Grundschule zu adaptieren. Die Lehrbücher enthalten authentisches Material, z.B. Rezepte, Gedichte, Witze, das sich auch für die Grundschule nutzen lässt. Die Vermittlung muss natürlich an die Bedürfnisse von Grundschulkindern angepasst werden, also beispielsweise von Visualisierung und Handlung begleitet sein.
Den Kindern wird vermittelt, dass sie europäische Bürger sind. Im europäischen Einigungsprozess bemühte man sich, die Europäische Dimension in Unterricht und Bildung festzuschreiben- sowohl auf gesetzlicher und politischer Basis als auch in der Entwicklung der Didaktik. Ein naiv- idealisiertes Europabild, wie es den Kindern gern vermittelt wird, entspricht allerdings nicht der Realität. Das vorhandene Spannungsfeld- nämlich die Notwendigkeit der Verständigung einerseits und die Einsicht, dass im Haus Europa Fremde miteinander wohnen werden(Hans Hunfeld) – ist den Kindern schwer zu vermitteln. Sinnvolle Möglichkeiten wären:
Interkulturelles Lernen zielt (...) nicht darauf ab, den jeweils Fremden
durch vollständiges und abgeschlossenes Wissen um ihn aufzuschließen, sondern
ihm, bei aller Verstehensbemühung, jene Möglichkeit von Entwicklung, Widersprüchlichkeit
und Rätselhaftigkeit zu belassen, auf die das Fremde ebenso Recht hat wie das
Eigene. (Hans Hunfeld, Zur Normalität
des Fremden: Voraussetzungen eines Lehrplans für interkulturelles Lernen,
in: LIFE-Ideen und Materialien für Interkulturelles Lernen, München:
BMW 1997)
Hans Hunfeld entwickelte in der Fremdsprachendidaktik ein Programm,
dass auf die hermeneutische Literaturdidaktik zurückgeht. Die Grundüberlegung:
„Fremd sein“ ist ebenso normal wie jemanden als fremd wahrzunehmen, Annäherung
und Verständigung sind mühsame Prozesse, die nicht immer gelingen. Für den Schulunterricht
bedeutet das: Die Kinder sollten verstehen, dass ihre Haltung gegenüber de Fremden
vielschichtig ist und dass zum Verstehen auch Missverstehen- als elementare
menschliche Erfahrung- gehört. (vgl. auch: LIFE. Material
zum Interkulturellen Lernen., Kostenlos über die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit)
Der Begriff Interkulturelles Lernen wird in vielen Zusammenhängen
und mit einander widersprechender Definitionen benutzt.
Als neues Konzept für die Schule ist Interkulturelles Lernen zunächst
unabhängig vom Fremdsprachenunterricht. Der Begriff interkulturell
impliziert, dass es um eine Überschreitung von Kulturgrenzen geht. Diese beschränkt
sich nicht auf das Lernen von Fakten über die andere Kultur (wie in der Landeskunde).
Sie meint vielmehr einen aktiven und auf Gegenseitigkeit beruhenden Austausch
zwischen den Kulturen.
In der Praxis: Beispielsweise das Projekt Ich zeig dir was: Grundschüler
aus Ludwigsburg, Paris und Barcelona drehten für die jeweiligen Partner einen
Film über ihren Alltag und recherchierten dafür das Alltagsleben ihrer Mitschüler,
wobei viele Beiträge von Immigrantenschülern kamen. Oder das Lesebuch Das
sind wir für die Klasse 4 bis 6, in dessen Mittelpunkt autobiographische
Texte stehen, die das tatsächliche Leben nicht- deutscher Kinder in Deutschland
zeigen.
[ Global education ] includes the study of nations, cultures and civilizations,
including our won pluralistic society and those of other peoples, with a focus
o understanding how these are all interconnected and how they change, and on
the individual’s responsibility in this process. (The
U.S. commissioner of Educations’s Task Force on Education for a Global Perspective
1979, zit. Nach Coombe, Christine A.: A global perspective in the foreign
language classroom. MS. Ohio state University 1990, S. 3)
Es handelt sich um ein fachübergreifendes Prinzip, das in Politischer Bildung,
Ethik und Geographieunterricht ebenso wie im Fremdsprachenunterricht angesiedelt
ist. Themen für den Fremdsprachenunterricht wären beispielsweise die Sprachentwicklung
in Entwicklungsländern, Kolonialsprachen und Sprachvarietäten im globalen Kontext.
Erste Berührung mit verschiedenen Sprachen, als Motivation zum Sprachenlernen. Hierbei handelt es sich um Schnupperkurse von mehreren Wochen bis zu einem Schuljahr, in denen mehrere Sprachen vorgestellt oder im Zusammenhang mit Projektwochen angeboten werden. Sie sind relativ oberflächlich und erreichen keine Sprechfertigkeiten bei den Schülern, können aber Motivation für das anschließende Sprachlernen schaffen.
Awareness of one’s own cultural values, awareness of the existence of cultural
presuppositions, awareness of cultural differences; acceptance of different
cultural patterns, suspension of judgement, empathy. (
Klippel, Friederike: From nursery rhymes to TV documentaries. Approaches
to the teaching of Landeskunde at the elementary and intermediate level. Language
Teaching Journal 1 (1990), 58- 62, S. 59)
Im engeren Rahmen von language awareness bedeutet das: Ein Bewusstsein
dafür entwickeln, wie sich kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der
Sprache selbst manifestieren. Mögliche Themen sind: Jugendsprache, Körpersprache,
Sprachwandel in verschiedenen Kulturen, die Vermischung von Sprachen in Kulturen.
Eine Sprache, in der universelle Verständigung möglich ist. Die Idee, dass es eine Sprache gibt, mit der sich alle verständigen, ist Kindern leicht begreiflich zu machen. Anstrengungen für eine Universalsprache - z.B. Esperanto - gab es schon lange. Anhand des Englischen kann man zeigen, wie sich Kinder unterschiedlicher Sprachherkunft mit einer Sprache verständigen können. Dieser Ansatz ist in gewisser Weise nicht- kulturell, da er das Englische als Verständigungssprache einführt und nicht mit einer bestimmten Kultur verbindet. Die lingua franca ist aber zugleich ein Pendant zu einer internationalen Popularkultur, in der beispielsweise über Musik, Kleidung, Filme und Internet gemeinsame Verständigungswege über die Sprach- und Landesgrenzen hinaus entstehen.
Der Diplomat muss die Kompetenz haben, sich erfolgreich in jeweils neuen sprachlichen und kulturellen Welten zu bewegen- notfalls auch mit minimalen Sprachkenntnissen. Das von Wolfgang Nieke vorgeschlagene Konzept, dass Kinder schon früh diplomatische Kompetenz entwickeln sollen, sieht als ersten Schritt vor: die Fähigkeit, sich in einer anderen Regionalumwelt zurechtzufinden, ohne die Sprache vorher erlernt zu haben. In einem Modellversuch - unter dem Begriff Gute Begegnung – ging es darum, einen diplomatischen Kommunikationsstil für das Kennenlernen unter Verschiedensprachigen zu entwickeln: Höflich zu sein, Interesse zu zeigen, Ähnlichkeiten hervorzuheben, die Angst vor Missverständnissen zu thematisieren.
Initiativen von Lehrern oder Schulen zur Förderung interkultureller Kommunikation. Es gibt viele solcher Einzel- Initiativen, die in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind. Dazu gehören beispielsweise: Netzwerke zwischen Schulen mehrer Länder, auch in Form von E-mail- Kontakten, und Tandem-Partnerschaften. Auch in der außerschulischen Jugendarbeit können heute bereits Grundschüler an Ferienlagern im Ausland teilnehmen.
E-Mail und Internet werden als Lern- und Kommunikationsmittel in der interkulturellen Begegnung eingesetzt.
Münster, Waxmann, 2003.
Über die Referate und Diskussionen einer wichtigen Konferenz
(2006) werden Sie in folgendem PDF informiert:
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Im folgenden PDF untersucht die Studentin Frau Zaizaa im
Detail die Immigrationsgeschichte und – Entwicklung einer spezifischen Gruppe
von Arbeitsmigranten in einer spezifischen Stadt – nämlich Tunesier in Wolfsburg.
Damit füllt sie eine Dokumentationslücke. Die Arbeit wurde als Examensarbeit
geschrieben, geht aber deutlich über das Erforderte hinaus.
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Hier finden Sie zwei Beiträge von Wissenschaftlern, die für eine Konferenz in dieser Abteilung verfaßt wurden:
Michael Byram: Languages and Identities
Piet Van Avermaet: Socially disadvantaged Learners and Languages of Education